Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.
Datum
Titel
Name
Di. 22.09.15
Lektorinpredigt
Angelika Hoppe
Lektorinpredigt

Predigt 16. So. nach Trinitatis 20.09.2015

Joh 11, 1 (2) 3. 17-27 (41-45)

Liebe Gemeinde,

ist Ihnen das auch schon vorgekommen – Sie finden beim Aufräumen einen Beutel mit vielen Puzzleteilen. Leider ist keine Vorlage mehr dabei, aber beim Ansehen der kleinen Teilchen können Sie sich wage an das Motiv erinnern. Sie nehmen sich einfach Zeit und fangen an zu puzzeln. Das fertige Bild erscheint immer plastischer vor ihren Augen und Sie freuen sich schon darauf das letzte Puzzleteilchen zu setzen.

Das heutige Predigtwort ist wie ein Puzzle – am Ende steht das fertige Bild, aber vorher sehen wir viele einzelne kleine Puzzleteilchen, die scheinbar nicht zusammen passen.

Ein Bildausschnitt mit vielen Teilen erzählt von Freundschaft, Lazarus und Jesus waren befreundet. Deshalb schicken Maria und Martha eine Nachricht an Jesus, als ihr Bruder sehr krank wird. Scheinbar regiert Jesus nicht, er bleibt wo er ist und hält weiter seine Predigten. Nach zwei Tagen bricht Jesus auf, obwohl ihn seine Jünger davon abraten. Sie teilen ihm mit, dass es in der Gegend von Bethanien gefährlich sei und die Leute dort ihn umbringen wollen. Jesus winkt ab – er weiß, dass sein Freund ihn braucht.

Einige Puzzleteile könnten auch eine Geschichte von „Sich nicht hetzen lassen“ sein. Jesus weiß genau, wie es um seinen Freund steht, aber er beeilt sich nicht, Jesus wartet auf den richtigen Moment zum Losgehen und bei der Ankunft in Bethanien wieder auf den richtigen Moment bevor er handelt. Jesus lässt sich alles berichten, er lässt Martha reden und Maria weinen. Als sich alle einig sind, dass Jesus zu spät gekommen ist, erst dann handelt er.

Andere Puzzleteilchen erzählen die Geschichte von Vorwürfen. So viele Menschen hat Jesus geholfen und geheilt – warum nicht seinen Freund? Das fragen sich die Umstehenden, als Jesus endlich am Grab ankommt. Jetzt kann er auch nicht mehr helfen – es ist zu spät: Lazarus ist gestorben. Trauer und Tränen machen sich breit, weil jemand nicht mehr wiederkommen wird. Jesus weint mit ihnen; die Worte aus dem Johannes-Evangelium lassen offen, warum Jesus weint. Wahrscheinlich spürt Jesus selbst die Trauer; sein Freund liegt dort in der Höhle begraben. Es sind Freundinnen von ihm, die am Grab stehen und nicht weiter wissen. Jesus weint und trauert mit ihnen – als ein Freund.

Bei einem Puzzle nimmt man immer wieder Teile in die Hand, probiert aus und weiß gar nicht, wie es zusammen passen soll. Geht es nur um Freundschaft, Tod und Trauer?

Martha und Maria, die ungleichen Schwestern, reagieren auch in unserem Predigttext unterschiedlich. Maria, die ruhige, die ihren Gedanken nachhängt und versucht, die Weisheit Gottes in sich einsinken zu lassen. Sie fällt Jesus vor die Füße und lässt alle ihre Gefühle heraus und weint. Mutig ist sie, weil sie nicht dem Frauenbild entspricht und Zurückhaltung übt. Jesus nimmt sie ernst und weint mit ihr.

Die Puzzleteilchen mit Martha sind eine weitere Geschichte vom Mut. Martha, die engagiert und zupackend sich um alles kümmert, was getan werden muss. Sie geht Jesus entgegen, redet über Tod und Auferstehung und „Was-wäre- gewesen- wenn“. „Herr, wärst du dagewesen, wäre mein Bruder nicht gestorben“.

Wer hätte es sonst gewagt, so mit Jesus zu reden. Sie schleudert ihre Kritik Jesus regelrecht entgegen. Keiner der Jünger hätte das gewagt. Jesus hört zu und geht auf ihre Gedanken ein. Es geht um verzweifelte Hoffnung bei Martha und große Worte von Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“

Und so kommt Martha im Gespräch zum größten Bekenntnis, dass das Neue Testament kennt:

„Du bist der Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“

Diese Worte werden in den anderen Evangelien Petrus zugesprochen, allerdings unter weit weniger dramatischen Umständen. Hier spricht sie eine Frau: Martha.

Jesus geht auf beide Schwestern individuell ein, jede darf ihren Weg gehen, wie sie mit Trauer und den offenen Fragen fertig wird. Beide, Maria und Martha dürfen sein, wie sie sind. Ganz offenbar ist der Sohn Gottes – der Christus, wie Martha sagt – nicht jemand, vor dem wir uns zusammenreißen müssten.

Im Gegenteil: aus den einzelnen Teilen, die wir bereits zusammengefügt haben, ergibt sich langsam das fertige Motiv: Da steht Jesus vor uns, ein echter Mensch. Einer, der die Gefühle der Menschen kennt wie Trauer, Freundschaft oder Rivalität und auch Hoffnung und Mut. Einer, der uns nahe ist. Ein Freund, der kommt, wenn ich ihn brauche. Martha drückt es so aus: „ Aber jetzt weiß ich: was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben.“

Ich glaube, dass du der Christus bist, sagt Martha und Maria drückt das aus, indem sie vor Jesus niederkniet.

Einer, der eine größere Macht hat, als wir es uns vorstellen können; einer, der zu einer anderen Dimension der Wirklichkeit gehört – der Sohn Gottes. Anders gesagt: einer, der uns zeigt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Ganz komplett ist unser Puzzle noch nicht – die letzten Teilchen zum Happy End fehlen noch. Auch das steht in unserem Predigttext. Jesus dankt zuerst Gott, dann ruft er Lazarus aus dem Grab. Unmöglich denken wir. Das Grab solle man nicht mehr öffnen, sagt ausgerechnet Martha. So unmittelbar hat sie wohl nicht mit der Auferstehung gerechnet – wie auch, wenn sie immer die Praktische und Realistische war.

Aber genau das passiert: Lazarus kommt aus dem Grab, er läuft selber heraus, mit den Totenbinden und Grabtüchern an seinem Leib. Das Wunder, auf das alle vor Tagen gehofft hatten, jetzt ist es da. Lazarus lebt.

Und das Puzzle ist fertig – Jesus zeigt sich als der „Christus“, der in der Auferstehung dem Tod die Macht genommen und das Leben ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

Ist das Puzzle echt? Es ist aus Papier und bildet eine Wirklichkeit ab.

Wie ist das mit Jesus? Ist die Geschichte echt? Kam Lazarus wirklich aus dem Grab gelaufen? Oder ist es nur ein Bild, wie ein Puzzle, eine Art Platzhalter für die Botschaft?

Vielleicht hat es das Ereignis um Maria, Martha und Lazarus tatsächlich so gegeben. Auf jeden Fall ist es ein Bild, das mir vor Augen gestellt ist. Ein Bild, das mein Herz berührt, auch wenn der Verstand Einwände hat. Eine Geschichte, die Mut macht, mich nicht nur auf das zu verlassen, was vor Augen steht, sondern auch damit zu rechnen, dass es hinter dem Horizont etwas Größeres gibt. Eine Geschichte, die mir mehr anbietet, als ich in meinem Leben sehen werde.

Diese Geschichte um Lazarus ist wie ein Puzzle; wenn es fertig ist, macht es aus kleinen Ausschnitten ein Ganzes. Es hilft Jesus zu sehen in seinen Facetten als den, der er ist: ein Freund an unserer Seite. Einer, der uns weiter führt als dieses Leben hier. Er hilft zu verstehen und zu glauben, was mit Marthas Satz gemeint ist:

„Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“

 

Amen.

 

 

 

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Eine große Familie
Thomas Steinke
Eine große Familie

Die Familie steht nach wie vor hoch im Kurs! Eine Umfrage in Deutschland zum Stellenwert von Familie, Beruf, Hobbies und Freunden brachte folgendes Ergebnis:
Im Jahr 2013 gaben rund 76 Prozent der Befragten an, dass für sie die Familie den höchsten Stellenwert hat. Wir alle sind Teil einer wie auch immer gearteten Familiengeschichte. Auch wenn wir keine eigene Familie gegründet haben, Teil unserer Herkunftsfamilie sind wir alle.
Und als Christinnen und Christen gehören wir nicht nur zu unserer leiblichen Familie, sondern auch zu einer geistlichen Familie: Wir sind Kinder Gottes durch den Glauben an Jesus Christus - und damit seine Schwestern und Brüder und Geschwister untereinander. Als Mitglieder dieser großen Familie sind wir regelmäßig zu „Familientreffen“ eingeladen: Sonntags in den Gottesdienst nämlich. In der nächsten Zeit besonders gemeinsam mit den Geschwistern in der Region zu den Themengottesdiensten zur Aktion „Liebe in Aktion“. Wie wir echte Beziehungen leben können, darum geht es ab dem 18. Februar.
Diese Aktion soll ausstrahlen in unseren „Familienalltag“. Wörtlich und übertragen verstanden. Unsere leiblichen Familienangehörigen werden positive Veränderungen spüren und unsere geistlichen Geschwister hoffentlich auch. In Kleingruppentreffen kann vertieft werden, was beim persönlichen Lesen des Buches angestoßen wird.
Übrigens: In unserer Region werden im Frühjahr zwei „Familienausflüge“ angeboten: Das Pilgerwochenende vom 1.-3. Mai 2015 und die Gemeindefreizeit in Boltenhagen über das Himmelfahrts-Wochenende.
Die Jahreslosung ruft uns dazu auf, uns als Glaubensgeschwister in Liebe zu begegnen - und darüber hinaus niemanden auszugrenzen, der von außen dazu kommt und eine neue Heimat bei uns sucht:
„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob!“ (Römer
15,7)
 

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Mo. 12.05.14
Aus einem Garn gewebt ...
Aus einem Garn gewebt ...

Wir alle sind aus ganz verschied'nen Stoffen und jeder wurde jahrelang gewebt.

Doch meistens bleibt die eine Frage offen: Wie man mit seinem Muster lebt.

 

 

Fritz-Ludwig Lodengrün trägt schwer an seiner Bürde,

als nasser Mantel kam gebeugt er seinen Pfad.

Er grübelt viel, was alles wär' , wie alles würde,

daß man im Leben ja so viel zu tragen hat.

 

Im Ledersessel thront die Lederseele, aalglatt und hart, doch allseits wertgeschätzt.

Erfolg und Geld nur sei, was für sie zähle

und daß man Kraft und Zeit stets effektiv einsetzt.

 

Dann liegt da ein Gewissen, zart wie Seide,

fein und verletzlich, leicht zu überseh'n.

Es spricht im transparenten Sommerkleide von Werten, die dahintersteh'n.

 

Auf weichem Sofa sorgt sich die Frau Wolle,

daß jeder ihre Herzenswärme spürt, die fürsorglich in mütterlicher Rolle

gemütlich Fäden zueinander führt.

 

Hans Grobkord steht daneben und versteht nicht,

daß die Erziehung heute so mit Härte spart.

Hat nicht Belastbarkeit, Geduld und treue Amtspflicht

ihn selbst in mancher Krise schon bewahrt ?!

 

Flanell und Samt, ein Paar in Formvollendung.

Ästhetik, Stil und Takt sind ihre Welt.

Nur Schönheit hat für sie Bedeutung - und wenn der ganze Kleiderschrank zerfällt!

 

 

Da kommt der Modeschöpfer zu den Kreationen

und sagt: "Dein eig'ner Zuschnitt ist vor Gott zu klein.

Die Decke selbstgerechter, frommer Traditionen

ist fadenscheinig und hüllt niemand ein.

 

Knöpf' doch den Geizkragen 'mal auf, du atmest freier !

Schieb' nicht die Schuld in and're Schuhe, du läufst schwer.

All' deine Lügen sind ein durchsichtiger Schleier

und deine weiße Weste glaubt dir keiner mehr.

 

Ich geb' mich her als euer Änd'rungsschneider dabei war alles Gute mein Design !

Wer sich mir anvertraut, kommt mit sich selber weiter

und wird für Gott und and're ein Gefallen sein.

 

Ihr alle seid aus herrlich bunten Stoffen

und jeden hab' ich jahrelang gewebt.

Man kann für Euch und euren ganzen Schrank nur hoffen,

dass ihr nach meinem Muster lebt !" 

von Andreas Malessa, auf „Langarbeitsheftspielscheibe“

Fr. 07.03.14
Weltgebetstag 2014 Ägypten
Angelika Hoppe
Weltgebetstag 2014 Ägypten

Weltgebetstag 7. März 2014

Wasserströme in der Wüste
Gedanken zu Johannes 4, 1 – 42
Wasser ist kostbar! Eine Aussage, sie wir alle ohne Zögern bestätigen würden. Wir genießen in unserer Kirchengemeinde die Wümme, die Fintau und die vielen Teiche. Wir stöhnen über lange Regentage und nutzen das Wasser aus dem Wasserhahn. Immer, jeden Tag. Wann waren wir mal so richtig durstig?
Wie weit ist Ägypten von uns entfernt, wo der Nil die einzige große Lebensader ist? Wie weit weg ist die biblische Geschichte, die wir eben gehört haben?
Jesus hat Durst, er sitzt mittags am Brunnen und bittet bei der Samaritanerin um Wasser. Jesus begegnet ihr auf Augenhöhe; er kommt als Mensch, der auch Bedürfnisse hat – er hat Durst und möchte frisches Wasser trinken.
Dabei überscheitet Jesus gleich zwei Grenzen. Er spricht als Mann eine
fremde Frau an; zudem ist er Jude und sie aus Samaria. Zwei Volksgruppen, die früher zusammen gehörten, jetzt aber nichts mehr miteinander zu tun haben. Jesus kümmert sich nicht darum. Er hat Durst und bittet einfach um Wasser.
Die Samariterin lässt sich auf das Gespräch ein, obwohl sie zunächst mit der Grenzüberschreitung nicht einverstanden ist.
Jesus geht im Gespräch einen Schritt weiter und bietet der Frau Wasser an – lebendiges Wasser wie er es nennt. Die Samaritanerin denkt praktisch, so wie wir es auch im Alltag tun: Nie mehr zum Brunnen gehen! Nie mehr schwere Krüge schleppen! Sie bittet Jesus um das Wasser, denn sie hat eine Sehnsucht nach anderen, nach einem besseren Leben. So wie die tausenden Ägypter, die im Januar 2011 auf den Tahrir –Platz gingen. Es war der Beginn der ägyptischen Revolution. Auf dem Platz standen Frauen neben Männern, Christen neben Muslime. Sie schrien gemeinsam ihre Sehnsucht nach einem neuen Leben lautstark heraus. Sie hatten Durst nach einem freien Leben. Einiges hat sich seitdem geändert und ist in Erfüllung gegangen. Einiges ist geblieben – so auch die Menschen auf dem Tahrir-Platz.
Jesus holt die Samariterin wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Er weist sie darauf hin, dass es so nicht funktioniert. Er lässt sie gedanklich in den Brunnen schauen. Wie ist das, wenn man hinein schaut? Man sieht nicht nur das Wasser, sondern auch sich selbst. Im hebräischen, aber auch in der ägyptischen Sprache ist das Wort für Brunnen und Auge gleich. Das Wasser ist wie ein Spiegel, es ist wie sich selbst in die Augen schauen. Sich mit dem eigenen Leben auseinander setzen. Ehrlich mit sich selbst und seiner Lebensgeschichte sein. Die Samaritanerin schafft diesen Spagat, als Jesus sie auf ihren Mann anspricht. Sie erzählt ihre Lebenssituation; echt, ehrlich, ungeschönt. Sie spürt, dass Jesus ihr  zuhört. Jesus bestätigt, dass sie die Wahrheit geredet hat.
In damaliger Zeit und auch heute noch in Teilen der arabischen Welt liegt es nicht in der Hand der Frau, wen sie heiratet oder ob sie sich scheiden lässt. Unverheiratet zu sein – unmöglich. Wurde damals eine Frau Witwe, musste sie durch die sogenannte Leviratsehe ihren Schwager heiraten.
Im Gespräch merkt die Samaritanerin, dass Jesus sie ansieht; sie sieht mit allem was sie als Person ausmacht. Der sie ernst nimmt, ihren Durst sieht und Abhilfe schaffen möchte.
Sie nutzt die Chance und fragt die Frage aller Fragen: Wie glaube ich richtig? Wo soll ich beten? Nach der Tradition der Samaritaner oder der Juden? Sie erhofft sich eine klare Antwort. Jesus lässt sich auf die Thematik ein, er lässt sich jedoch nicht festlegen. Jesus gibt einen Blick in die Zukunft, wo die Unterschiede, wie z.B. Tempel oder Berg keine Rolle mehr spielen. Gebet, Reden mit Gott ist überall möglich. So wie Jesus es uns mit der Samaritanerin demonstriert. Er macht keine Unterschiede bei Geschlecht, Herkunft oder Bildung.
Gott ist präsent in seinem Sohn Jesus. Hier hat Gott die Grenze zu den Menschen überschritten. In diesem Moment erkennt die Samaritanerin Jesus als den Messias. Sie hat das lebendige Wasser bekommen – der Durst ist weg.
Sofort wird die Samaritanerin aktiv, diese Erfahrung kann sie nicht für sich behalten. Sie lässt mit ihrem Krug am Brunnen buchstäblich ihr altes Leben zurück. Sie läuft in die Stadt und berichtet allen von Jesus. Aus ihr sprudelt es wie aus einer lebendigen Quelle. Die Bewohner von Sychar glauben ihr, sie werden neugierig und bekommen Durst – Sehnsucht nach neuem Leben. Die Samaritanerin schöpft aus dem Vollen und macht Mut dem Fremden zu begegnen.
So wie heute beim Weltgebetstag – wo wir in eine andere christliche Kultur durch Lieder, Texte und Gebete eintauchen. Gleichzeitig aber auch in dem Fremden erkennen, dass der Glaube an Jesus Christus uns verbindet. Weltweit – auch mit Lauenbrück.
Wasserströme in der Wüste – eine Sehnsucht der Christinnen in Ägypten. In ihrem Alltag, in der politischen Ebene und in ihrer Kirche möchten sie lebendiges Wasser weitergeben, so wie die Samaritanerin aus Sychar. Dann wird das Wasser sprudeln zu einem Strom, bewässert das ganze Land und bringt neues Leben – der Durst ist gestillt.

„Jesus sagt: Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dem werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ ( Johannes 7, 38)
Amen.
 

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Do. 25.07.13
Wohin geht die Reise?
Lars Rüter
Wohin geht die Reise?

Eine kleine Geschichte aus Indien erzählt von einem Reiter, der im Galopp übers Land jagt. Ein alter Bauer auf dem Feld ruft ihm zu: „He, Reiter, wohin?“ Der wendet seinen Kopf über die Schulter und schreit zurück: „Frag nicht mich, frag das Pferd!“

Wahrscheinlich ähnelt unsere Lebenseinstellung oft der des Reiters: Nur vorwärts, nur schneller, schöner, besser, angenehmer muss alles werden. Welcher Preis dafür zu zahlen ist, ist gleichgültig – zunächst jedenfalls. Der Reiter meint, er könne die Verantwortung für seinen Weg dem Pferd übertragen. Aber es müsste doch umgekehrt sein: Er müsste sein Pferd beherrschen.

Ähnlich verlassen wir uns gerne auf das, was wir selbst geschaffen haben: Auf die Technik, auf den Fortschritt, auf den Staat, der schon alles regeln wird. Und wenn das Auto dann mal nicht fährt oder der Computer abstürzt, stehen wir dumm da, aber das sind noch eher harmlose Beispiele für solche Abhängigkeit.

„Wohin?“ – die Frage des Bauern an den Reiter ist angebracht. Wohin geht unsere Lebensreise, wer entscheidet darüber? Einzuhalten und darüber nachzudenken, tut sicherlich gut.

Gelegenheit ist da – im Gottesdienst, im Gespräch mit dem anderen, im gemeinsamen Nachdenken über die Frage, was unser Leben eigentlich bewegt.

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Mo. 10.06.13
Sitzenbleiben kann jede(r)
Sitzenbleiben kann jede(r)

In gut zwei Wochen gibt es in Niedersachsen Zeugnisse. Für die einen bedeutet das 'weitergehen', für die anderen 'wiederholen'. Denn jährlich bleiben in Deutschland etwa eine Viertelmillion Schülerinnen und Schüler sitzen.

Ist Sitzenbleiben nun eine notwendige Chance, ein wirksames Druckmittel? Oder ist es letztlich nur demotivierend und teuer?

Es ist sicherlich wichtig, über das Sitzenbleiben neu nachzudenken, wie es ja auch die neue Landesregierung tut. Denn Sitzenbleiben klingt wie 'sich nicht bewegen, sich nicht verändern'. Und das kann und darf es nicht sein! Sitzenbleiben macht nur dann Sinn, wenn dadurch etwas oder jemand neu in Bewegung kommt.

So bin ich in diesem Zusammenhang noch auf eine ganz andere Geschichte gestoßen: Genau vor 100 Jahren, am 04.02.1913, wurde die Afroamerikanerin Rosa Parks in Alabama geboren. Sie wuchs in einer Welt auf, die strikt in Schwarz und Weiß geteilt war.

Berühmt wurde sie als 'Frau, die sitzen blieb'. Rosa Parks weigerte sich im Dezember 1955, ihren Platz in einem Linienbus für einen Weißen zu verlassen. Wie schon vor ihr andere Frauen wurde sie deshalb verhaftet. Doch ihr Widerstand verwandelte den Kampf um die Bürgerrechte in eine Massenbewegung, die Amerika veränderte.

Mit ihrem Sitzenbleiben hat sie viele und vieles in Bewegung gebracht. Christina Brudereck drückt das in ihrem Gedicht "Rosa Parks" so aus:

 

Vor 50 Jahren

blieb sie nicht alleine

andere widersetzten sich

setzen sich und standen auf

und der Bus wurde ein Bus-Boykott

und der Bus-Boykott wurde eine Bus-Boykott-Bewegung

und die Bus-Boykott-Bewegung führte zur Befreiung

Vor 50 Jahren

1. Dezember 1955, Amerika

heute, hier

den Moment verstehen

die Würde hüten

eine Welle auslösen

das richtige Wort sagen

Nein! oder Ja!

andere mitreißen

bewegen, befreien

 

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir uns von Rosa Parks ermutigen lassen für neue Schritte und klare Positionen. Denn „sitzenbleiben kann jede(r)“.

 

Ruth Stieber